Frankreich - Feriendomiziel

Bâle! Cést tranquille!

Sieben Uhr in der Frühe klingelte der Wecker gnadenlos und riss uns unsanft aus dem Schlaf. Nach dem Essen und Einpacken, was sehr wortkarg verlief, da wir alle übermüdet waren, liefen wir zur Autobahnauffahrt nach Basel (oder Bâle, wie es in Frankreich heißt). Stefan startete und brauchte eine Stunde, wir folgten seinem Beispiel, benötigten aber deutlich mehr Zeit, bis uns ein cooler Afro einsammelte und zum Autobahnring nach Colmar brachte. Er war echt nett, aber wir konnten ja kein Französisch und er kein Englisch, ach ein Desaster. Ich sollte dringend noch drei oder vier Sprachen dazu lernen. Am Autobahnring sackte uns Lucie ein, sie war super. Sie konnte ein bisschen Deutsch und schenkte und leckere kleine Kekse. Wir unterhielten uns in gebrochenem Französisch-Deutsch mit ihr und fuhren bis Mulhouse.


Als sie uns absetzte tauschten wir noch Mailadressen aus und sie machte mit uns zwei Schilder mit der Aufschrift Bâle. Ich glaube sie war eine der Liebsten, mit denen wir gefahren sind. Kaum war sie weg hielt Toufik mit seinem LKW auf der anderen Seite der Kreuzung und reif uns heran. Ich rannte zu ihm, fragte nach Bâle und alles war klar. Wir mussten uns beeilen, da die Ampel jeden Moment auf grün schalten konnte. Ich holte meinen Rucksack und wies Marco an, es mir gleich zu tun. Bei dieser Aktion ließ ich unsere Straßenkarte im Gras liegen. Wir bemerkten es, als wir im LKW waren und ich flitzte zurück.


Es war längst grün und die Autofahrer hinter Toufiks LWK hupten wie irre. Als wir endlich im LKW saßen, die Tür zu und alles beisammen war fuhren wir los. Toufik lachte über unser chaotisches Verhalten und plapperte munter auf Französisch. Wir verstanden nichts. Sein Lieblingsspruch war "C'est tranquille!" was soviel heißt wie "Das ist cool!". Er war super lustig, mixte während der Fahrt alkohlofreie Drinks, bot mir unendlich viele Zigaretten an und redete mit mir über Fußball (soviel verstand ich dann doch). Er nahm uns bis zur Grenze mit und gab uns dort seine Telefonnummer, er wollte, dass wir ihn unbedingt anrufen. Er steckte mir noch eine Schachtel Zigaretten ein und drückte uns 20 Euro in die Hand. Wir lehnten ab und gaben sie zurück, er hielt sie uns wieder entgegen. Als wir ein weiteres Mal ablehnen wollten wurde er etwas aggressiv und wir wollten auch nicht unhöflich sein. Später erfuhren wir, dass viele Franzosen Tramper grundsätzlich für arme Schlucker halten und deshalb geben, was immer sie dabei haben. Essen, Zigaretten, Getränke oder Geld. Es war nicht besonders nett solche Gesten abzulehnen, das hatte Toufik uns deutlich gezeigt. Wir verabschiedeten uns und liefen über die Grenze in Richtung der Insel Korsika. Das Schild mit der Aufschrift Basel war lächerlich klein und unbedeutend. Man hätte fast übersehen können, dass man in eine Stadt kam. Wir nahmen den Bus zum Bahnhof SBB, was einem Hauptbahnhof entspricht, und fanden Stefan schlafend auf einer Bank vor. Wir weckten ihn und erfuhren, dass er 3 Stunden auf uns gewartete hatte. Gegen 20 Uhr trudelten wir auf dem Campingplatz ein und packten aus.


Basel − Der Thomas Platter-Rundgang

Gegen 9:00 Uhr wurstelte sich Stefan aus seinem Schlafsack und sprang in den Pool, den unser Campingplatz hatte. Wir hatten echt Glück, für den Preis einen Swimmingpool dabei zu haben, auch wenn er sehr klein war. Im Verlauf der Reise wurden unsere Zeltplätze immer besser.


Nach der Badeaktion an diesem Morgen unseres Urlaubs gingen wir alle duschen und marschierten nach dem Frühstück zur Straßenbahn, die uns in Basels Innenstadt brachte. Dort nahmen wir den Thomas-Platter-Rundgang mit, der neben fünf oder sechs anderen Rundgängen ausgeschildert und in einem Reiseführer erklärt worden war. Er führte uns in kleine entlegene Winkel der Stadt, wo Bächlein direkt an den Häuserwänden entlang flossen und Enten um die Wette tauchten. Es war ein echt toller Rundgang für Touristen. Schade war nur, dass wir kein GPS-Gerät dabei hatten, um einen Geo-Cache zu suchen, was den Tag noch abgerundet hätte. Wir verbrachten einen entspannten Tag, kauften noch etwas ein -unteranderem diesen super leckeren Billigwein aus einem REWE namens "Montepulciano D´Abruzzo", den wir uns gleich merkten und notierten, da wir sonst immer Pech mit der Weinauswahl gehabt hatten- und saßen am Rhein. Wir gingen auch durch die Läden der Stadt, wo ich mir meine legendäre Spongebob-Tasche kaufte. Später trieb es uns ein Stück aus der Stadt hinaus, weil wir das Architekturmuseum sehen wollten, welches sich im sogenannten St.-Alban-Viertel befand. Es war schon auf deutscher Seite und sah von außen recht vielversprechend aus. Die modernen Gebäude mit ihren klaren Formen lockten uns, allerdings wollte man 8 Euro für den Eintritt in das kleine Paradies aus Beton und Glas. Das war uns echt zu viel, dafür, dass es nur drei kleinere, moderne Einfamilienhäuser waren, die man von für diesen Preis innen sehen konnte. Also setzten wir uns unter einen Baum nahe der Bushaltestelle, um nach unserer nächsten Gelegenheit in die Innenstadt zu spähen, und spielten Skat. Ich war reichlich schlecht. Bis heute habe ich es nicht geschafft dieses Spiel zu mögen und gut darin zu werden. Als unser Bus angefahren kam stürzten wir uns in letzter Sekunde in die schließende Türe. In der Stadt kauften wir etwas Obst und ließen den Tag mit einem Sonnenbad auf dem Campingplatz ausklingen. Als ich zum Abendessen das Brot aus dem Proviantzelt holen wollte sah ich einen Igel direkt auf diesem liegen. Zum Glück war unser Essen komplett eingepackt und der Frechdachs hatte es noch nicht geschafft, die Folie aufzureißen. Wir tauften den kleinen Basel, schafften ihn ins Gebüsch, machten uns Abendbrot und gingen sehr früh zu Bett. Mitten in der Nacht weckte mich ein Rascheln und ich machte Marco wach, damit er nachschauen ging. Er fand unsere Müllbeutel komplett zerrissen vor und mittendrin saß der kleine Igel, und schmatzte. Wieder brachten wir ihn weg, diesmal etwas weiter, verstauten alles, auch den Abfall, im Zelt und schlossen es sorgfältig. Er kratzte und knisterte noch einige Male in der Nacht, doch das Zelt hielt dem hungrigen Igelchen stand.

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